Theorie der kognitiven Entwicklung: Was sind die Phasen?

Wichtige Erkenntnisse

  • Jean Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung umfasst vier Phasen: sensomotorisch, präoperational, konkret operativ und formal operativ.
  • In der sensomotorischen Phase lernt ein Kind die Objektbeständigkeit und weiß, dass Dinge auch dann noch existieren, wenn sie nicht gesehen werden können.

Kognitive Entwicklung ist der Prozess, durch den wir Informationen erfassen, verstehen, organisieren und lernen, sie auf verschiedene Weise zu nutzen.Die kognitive Entwicklung hilft einem Kind, die Fähigkeiten zu erwerben, die es braucht, um ein produktives Leben zu führen und als unabhängiger Erwachsener zu funktionieren.

Der verstorbene Schweizer Psychologe Jean Piaget war eine wichtige Persönlichkeit in der Erforschung der Theorie der kognitiven Entwicklung bei Kindern. Er glaubte, dass es in vier Phasen abläuft: sensomotorisch, präoperational, konkret operativ und formal operativ.

In diesem Artikel werden Piagets Phasen der kognitiven Entwicklung, einschließlich wichtiger Konzepte und Prinzipien, erörtert.

Geschichte der kognitiven Entwicklung

In den 1920er Jahren erhielt der Psychologe Jean Piaget den Auftrag, englische Intelligenztests ins Französische zu übersetzen. Dabei beobachtete er, dass Kinder anders denken als Erwachsene und eine andere Sicht auf die Welt haben. Er begann, Kinder von der Geburt bis ins Teenageralter zu studieren – er beobachtete Kinder, die zu jung zum Sprechen waren, interviewte ältere Kinder und beobachtete gleichzeitig deren Entwicklung.

Piaget veröffentlichte 1936 seine Theorie der kognitiven Entwicklung. Diese Theorie basiert auf der Idee, dass sich die Intelligenz eines Kindes im Laufe der Kindheit verändert und dass kognitive Fähigkeiten – einschließlich Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Denken, Problemlösung, logisches Denken, Lesen, Zuhören und mehr – erlernt werden, wenn ein Kind wächst und mit seiner Umgebung interagiert.

Phasen der kognitiven Entwicklung

Piagets Theorie legt nahe, dass die kognitive Entwicklung mit zunehmendem Alter eines Kindes in vier Phasen verläuft. Diese Phasen werden immer der Reihe nach durchlaufen, dauern jedoch bei manchen Kindern länger als bei anderen. Jede Stufe baut auf den in der vorherigen Stufe erlernten Fähigkeiten auf.

Die vier Phasen der kognitiven Entwicklung umfassen:

  • Sensomotorisch
  • Präoperational
  • Konkret betriebsbereit
  • Formal operativ

Sensomotorisches Stadium

Die sensomotorische Phase beginnt bei der Geburt und dauert bis zum Alter von 18 bis 24 Monaten. Während der sensomotorischen Phase erkunden Kinder ihre Umgebung körperlich und nehmen Informationen über ihren Geruchs-, Seh-, Tast-, Geschmacks- und Klangsinn auf.

Die wichtigste Fähigkeit, die in der sensomotorischen Phase erworben wird, ist die Objektpermanenz, was bedeutet, dass das Kind weiß, dass ein Objekt noch existiert, auch wenn es es nicht mehr sehen kann.Wenn beispielsweise ein Spielzeug von einer Decke verdeckt wird, weiß das Kind, dass das Spielzeug noch da ist, und sucht danach. Ohne diese Fähigkeit denkt das Kind, dass das Spielzeug einfach verschwunden ist.

Im sensomotorischen Stadium beginnen sich auch die Sprachkenntnisse zu entwickeln.

Aktivitäten, die Sie während der sensomotorischen Phase ausprobieren sollten

Zu den geeigneten Aktivitäten während der sensomotorischen Phase gehören:

  • Guck-A-Boo spielen
  • Bücher lesen
  • Bereitstellung von Spielzeugen mit verschiedenen Texturen
  • Lieder singen
  • Spielen mit Musikinstrumenten
  • Einen Ball hin und her rollen

Präoperationelles Stadium

Das präoperationale Stadium von Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung findet im Alter zwischen 2 und 7 Jahren statt. Schon früh in dieser Phase erlernen Kinder die Fähigkeit der symbolischen Darstellung. Das bedeutet, dass ein Gegenstand oder ein Wort für etwas anderes stehen kann. Beispielsweise könnte ein Kind mit einem Karton „Haus“ spielen.

In diesem Stadium gehen Kinder davon aus, dass andere Menschen die Welt genauso sehen und Emotionen auf die gleiche Weise erleben wie sie, und dass ihr Hauptaugenmerk auf sich selbst liegt. Das nennt manEgozentrismus.

Zentrismus ist ein weiteres Merkmal der präoperationalen Phase.Das bedeutet, dass sich ein Kind nur auf einen Aspekt eines Problems oder einer Situation konzentrieren kann. Ein Kind könnte sich zum Beispiel darüber aufregen, dass ein Freund mehr Bonbons hat als es selbst, auch wenn die Stücke größer sind.

In dieser Phase spielen Kinder oft nebeneinander – das sogenannte Parallelspiel –, aber nicht miteinander. Sie glauben auch, dass unbelebte Gegenstände wie Spielzeug menschliches Leben und Gefühle haben.

Aktivitäten, die Sie während der präoperationellen Phase ausprobieren sollten

Zu den geeigneten Aktivitäten während der präoperativen Phase gehören:

  • „Haus“ oder „Schule“ spielen
  • Eine Festung bauen
  • Färbung
  • Malerei
  • Spielen mit Play-Doh
  • Bauen mit Bausteinen
  • Scharaden spielen

Konkrete Betriebsphase

Die konkrete Einsatzphase findet im Alter zwischen 7 und 11 Jahren statt. In dieser Phase entwickelt ein Kind die Fähigkeit, logisch zu denken und Probleme zu lösen, kann diese Fähigkeiten jedoch nur auf Objekte anwenden, die es physisch sehen kann – Dinge, die „konkret“ sind.

In dieser Phase entwickeln sich sechs konkrete Hauptoperationen. Dazu gehören:

  • Erhaltung: Diese Fähigkeit bedeutet, dass ein Kind versteht, dass die Menge von etwas oder die Anzahl eines bestimmten Gegenstands gleich bleibt, auch wenn er anders aussieht. Beispielsweise sieht eine Tasse Milch in einem hohen Glas anders aus als die gleiche Menge Milch in einem niedrigen Glas – die Menge hat sich jedoch nicht verändert.
  • Einstufung: Bei dieser Fähigkeit handelt es sich um die Fähigkeit, Gegenstände nach bestimmten Klassen zu sortieren, z. B. nach Farbe, Form oder Größe.
  • Seriation: Diese Fähigkeit beinhaltet das Anordnen von Objekten in einer Reihe oder einer logischen Reihenfolge. Beispielsweise könnte das Kind die Blöcke vom kleinsten zum größten anordnen.
  • Reversibilität: Diese Fähigkeit ist das Verständnis, dass ein Prozess umgekehrt werden kann. Beispielsweise kann ein Ballon mit Luft aufgeblasen und dann wieder in die ursprüngliche Ausgangsposition entleert werden.
  • Dezentrierung: Diese Fähigkeit ermöglicht es einem Kind, sich gleichzeitig auf mehr als einen Aspekt eines Problems oder einer Situation zu konzentrieren. Beispielsweise sehen zwei Schokoriegel von außen vielleicht gleich aus, aber das Kind weiß, dass sie innen unterschiedliche Geschmacksrichtungen haben.
  • Transitivität: Diese Fähigkeit vermittelt ein Verständnis dafür, wie Dinge miteinander zusammenhängen. Wenn beispielsweise John älter als Susan und Susan älter als Joey ist, dann ist John älter als Joey.

Aktivitäten, die während der konkreten Betriebsphase ausprobiert werden sollten

Zu den geeigneten Aktivitäten während der konkreten Betriebsphase gehören:

  • Verwendung von Messbechern (zeigen Sie beispielsweise, wie eine Tasse Wasser zwei halbe Tassen füllt)
  • Einfache Logikprobleme lösen
  • Grundlegende Mathematik üben
  • Kreuzworträtsel lösen
  • Brettspiele spielen

Formale Betriebsphase

Die letzte Phase in Piagets Theorie der kognitiven Entwicklung findet im Teenageralter bis ins Erwachsenenalter statt. In dieser Phase erlernt eine Person abstraktes Denken und Fähigkeiten zur hypothetischen Problemlösung.

In dieser Phase wird auch deduktives Denken erlernt – also die Fähigkeit, auf der Grundlage von Informationen aus der Umgebung einer Person eine Schlussfolgerung zu ziehen. Dies bedeutet beispielsweise, dass eine Person die Unterschiede zwischen Hunden verschiedener Rassen erkennen kann, anstatt sie alle in eine allgemeine Kategorie von „Hunden“ einzuordnen.

Aktivitäten, die Sie während der formellen Betriebsphase ausprobieren sollten

Zu den geeigneten Aktivitäten während der formellen Betriebsphase gehören:

  • Brettspiele spielen
  • Kochen lernen
  • Kreuzworträtsel und Logikrätsel lösen
  • Hobbys erkunden
  • Ein Musikinstrument spielen
  • Bücher lesen