Ist Sucht erblich?

Krankheiten können in Ihre DNA eingewoben sein – und dazu gehört auch die Krankheit der Drogenabhängigkeit.

Etwa die Hälfte Ihrer Anfälligkeit für die Entwicklung einer Substanzgebrauchsstörung (SUD) kann erblich bedingt sein. Die Genetik kann dazu führen, dass Sie anfälliger für den Konsum von Alkohol, Tabakprodukten oder Drogen wie Kokain, Heroin und Opioiden sind.

Aber bedeutet das, dass Ihr Suchtrisiko im Wesentlichen ein Münzwurf ist, wenn in Ihrer Familie SUD aufgetreten ist? Es ist etwas komplizierter, sagt der Suchtpsychiater Akhil Anand, MD.

Wie viel Sucht ist genetisch bedingt?

Um Sucht als genetisch bedingt zu betrachten, muss man verstehen, dass es sich bei Sucht um eine chronisch-rezidivierende Störung des Gehirns handelt. „In vielerlei Hinsicht ist es nicht anders, als wenn in der Familie Herzerkrankungen oder Diabetes aufgetreten sind“, sagt Dr. Anand.

Untersuchungen zeigen, dass die Genetik einen Einfluss von 40 bis 60 % auf die Sucht hat.

Gibt es Suchtgene?

Der genetische Zusammenhang zur Sucht entsteht durch den vererbten Dopaminspiegel, einem Neurotransmitter, der in Ihrem Gehirn gebildet wird. Stellen Sie sich Dopamin als das Belohnungszentrum Ihres Gehirns vor. Im Grunde fungiert es als „Wohlfühlhormon“.

Ein hoher Dopaminspiegel kann zu einer schlechten Impulskontrolle führen und jemanden zu Suchtverhalten neigen.

„Das heißt aber nicht, dass man eine Sucht entwickeln wird, wenn man über die entsprechenden Gene verfügt oder Familienmitglieder hat, die mit Sucht zu kämpfen haben“, erklärt Dr. Anand. „Es bedeutet nur, dass Sie anfälliger dafür sind.“

Mit anderen Worten, die Genetik weist auf eine Veranlagung hin – nicht auf ein Schicksal.

Sucht: Genetische vs. Umweltfaktoren

Offensichtlich ist Ihr Stammbaum nicht der einzige Indikator für das Suchtrisiko. Auch die Welt um Sie herum kann eine wichtige Rolle dabei spielen, eine Tür zu öffnen, die zu problematischem Substanzkonsum führt, bemerkt Dr. Anand.

Zu den Umweltfaktoren, die zur Sucht beitragen könnten, gehören:

  • Einfacher Zugang zu einer Substanz.Was man nicht hat, kann man doch nicht ausprobieren, oder? Studien zeigen, dass die Verfügbarkeit und Exposition gegenüber Substanzen im Haushalt – insbesondere in jungen Jahren – den zukünftigen Konsum beeinflussen kann.
  • Gruppenzwang.Freunde können eine wichtige Rolle spielen, wenn es um Alkohol, Rauchen oder Drogenkonsum geht. Der Wunsch, sich anzupassen, kann zu erhöhtem Konsum und schließlich zur Sucht führen.
  • Traumatischer Stress.Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen der Belastung durch traumatische Ereignisse und Drogenmissbrauch, berichtet das National Child Traumatic Stress Network.

Zusätzliche Risikofaktoren

Auch die folgenden Gruppen haben ein erhöhtes Risiko, eine Substanzstörung zu entwickeln:

  • Menschen mit psychischen Problemen.Erkrankungen wie bipolare Störung, posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) und Depression gehen häufig mit SUDs einher.
  • Einige Gruppen sind aufgrund von chronischem Stress und Trauma einem höheren Suchtrisiko ausgesetzt.Diese Herausforderungen können auf soziale Ablehnung, unsichere Umgebungen oder mangelnde Unterstützung zurückzuführen sein. In solchen Situationen kann Substanzkonsum eine Möglichkeit zur Bewältigung sein.

Was bedeutet das alles?

Zunächst einmal gibt es keinen einheitlichen Weg zur Sucht. Jeder kann eine SUD entwickeln, und zwar aus den unterschiedlichsten Gründen in seinem Leben. „Es gibt keine einfache Antwort oder Erklärung“, sagt Dr. Anand.

Wenn in Ihrer Familie SUD aufgetreten ist, können Sie Maßnahmen ergreifen, um das Risiko zu verringern. Dazu gehören:

  • Einschränkung (oder Vermeidung) des Konsums von Alkohol, Tabak oder anderen Substanzen.
  • Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über die Drogenkonsumgeschichte Ihrer Familie, damit diese Ihre genetischen Veranlagungen vollständig versteht.
  • Gespräch mit einem Therapeuten.

„Auch wenn Ihre Gene Sie anfälliger für Sucht machen, ist das kein Schicksal“, sagt Dr. Anand. „Aber wenn Sie Ihre potenziellen Risiken kennen und Maßnahmen dagegen ergreifen, können Sie verhindern, dass sich der Substanzkonsum in Ihrer Familie noch weiter erhöht.“

Um mehr von Dr. Anand zu diesem Thema zu hören, hören Sie sich die Episode des Health Essentials-Podcasts „Wie man jemandem mit einer Alkoholsucht hilft“ an. Jeden Mittwoch werden neue Folgen des Health Essentials Podcasts veröffentlicht.