Ursachen der Myelopathie und wie sie behandelt wird

Wichtige Erkenntnisse

  • Myelopathie-Symptome treten auf, wenn das Rückenmark komprimiert wird.
  • Zervikale Myelopathie, die im Nacken auftritt, ist die häufigste altersbedingte Form.
  • Eine thorakale Myelopathie wird häufig durch einen Bandscheibenvorfall oder ein Trauma im mittleren Rückenbereich verursacht.

Unter Myelopathie versteht man eine Reihe von Symptomen, die aus einer Rückenmarkskompression resultieren. Dies kann durch Traumata, Entzündungen, Tumore oder die altersbedingte Degeneration der Wirbelsäule verursacht werden. Eine Kompression des Rückenmarks kann zu Gefühlsverlust, motorischen Schwierigkeiten sowie Schmerzen oder Unwohlsein führen.

Eine Myelopathie kann durch bildgebende Untersuchungen, einschließlich einer sogenannten Myelographie, sowie durch elektrische Tests diagnostiziert werden, die zeigen, wie gut Nervensignale übertragen werden.Die Behandlung variiert je nach Ursache, kann jedoch Medikamente, Physiotherapie, Orthesen oder eine Operation umfassen.

Arten von Myelopathie

Eine Myelopathie kann jeden Abschnitt des Rückenmarks betreffen. Es gibt verschiedene Arten von Myelopathie, die nach dem betroffenen Teil der Wirbelsäule benannt sind.

Die Kompression des Rückenmarks kann Nervensignale von den Wurzeln der Spinalnerven blockieren, die aus verschiedenen Teilen der Wirbelsäule austreten. Dies kann zum Verlust der Empfindung oder Funktion des von dieser Nervenwurzel versorgten Körperteils führen.

Zervikale Myelopathie

Bei der zervikalen Myelopathie handelt es sich um eine Kompression des Rückenmarks in der Halswirbelsäule. Die Halswirbelsäule enthält siebenWirbel(Wirbelsäulenknochen) – bezeichnet als C1 bis C7 – zusammen mit sechs Bandscheiben, die die Wirbel polstern, und acht Paaren von Spinalnervenwurzeln, die Nervensignale an Hals, Schulter, Arm und Hand übertragen.

Die zervikale Myelopathie ist die häufigste Form der Myelopathie und wird am häufigsten durch eine altersbedingte Degeneration der Wirbelsäule verursacht.

Thorakale Myelopathie

Bei der thorakalen Myelopathie handelt es sich um eine Kompression des Rückenmarks in der Brustwirbelsäule des mittleren Rückens. Die Brustwirbelsäule besteht aus 12 Wirbeln – T1 bis T12 genannt –, begleitet von 12 Bandscheiben und 12 Spinalnervenwurzelpaaren, die auch die Arme und Hände sowie die Brust, den Bauch und den Rücken versorgen.

Die Kompression dieses Teils der Wirbelsäule ist meist die Folge eines Bandscheibenvorfalls, eines Knochensporns oder eines Wirbelsäulentraumas.

Lumbale Myelopathie

Bei der lumbalen Myelopathie handelt es sich um eine Kompression des Rückenmarks der Lendenwirbelsäule des unteren Rückens. Die Lendenwirbelsäule besteht aus fünf Wirbeln, die als L1 bis L5 bezeichnet werden, sowie aus fünf Bandscheiben und fünf Paaren von Spinalnervenwurzeln, die das Becken, die Leistengegend, den Genitalbereich, die Beine und Füße versorgen.

Die lumbale Myelopathie ist insgesamt die seltenste Form der Myelopathie.

Myelopathie vs. Radikulopathie
Radikulopathie und Myelopathie sind eng miteinander verbunden. Unter Radikulopathie versteht man das Einklemmen von Nervenwurzeln beim Austritt aus dem Rückenmark und nicht die Kompression des Rückenmarks selbst. Radikulopathie ist durch Symptome gekennzeichnet, die häufig bei Myelopathie auftreten, darunter Kribbeln, Schwäche, Schmerzen und Gefühlsverlust.

Symptome

Die Symptome einer Myelopathie können je nachdem, welcher Teil des Rückenmarks betroffen ist, variieren.

Gleichzeitig können sich die Symptome einer zervikalen, thorakalen und lumbalen Myelopathie überschneiden. Dies liegt daran, dass die Kompression des Rückenmarks die Übertragung von Nervensignalen blockieren kann, die vom Gehirn über die gesamte Länge des Rückenmarks wandern.

So kann beispielsweise die Kompression des Halsrückenmarks auch die Signale an die Lendenwirbelsäule blockieren, was indirekt zu Schmerzen und Schwäche in den Beinen führt. Situationen wie diese können es schwierig machen, den genauen Ort der Kompression zu bestimmen.

Zu den Symptomen einer Myelopathie können gehören:

  • Nacken-, Arm-, Bein- oder Rückenschmerzen
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Händen oder Füßen
  • Schwierigkeiten mit der Feinmotorik (z. B. Schreiben oder Zuknöpfen eines Hemdes)
  • Abnormale oder überaktive Reflexe
  • Muskelkrämpfe
  • Muskelsteifheit
  • Muskelschwäche
  • Gleichgewichtsverlust
  • Koordinationsverlust
  • Schwierigkeiten beim Gehen
  • Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm
  • Sexuelle Dysfunktion

Ursachen

Es gibt viele verschiedene Ursachen für eine Myelopathie, darunter altersbedingte Veränderungen der Wirbelsäule, Traumata, entzündliche oder Autoimmunerkrankungen sowie abnormale Wucherungen an der Wirbelsäule.

Zu den häufigsten gehören:

  • Wirbelsäulentrauma
  • Osteophyten(Knochensporne)
  • Spondylose(Wirbelsäulendegeneration)
  • Bandscheibenvorfall
  • Spinalstenose (Verengung des Wirbelkanals)
  • Spondylitis ankylosans(eine entzündliche Wirbelsäulenerkrankung)
  • Geburtsfehler wie Spina bifida oder angeborene Spinalkanalstenose
  • Rheumatoide Arthritis (eine autoimmune Form der Arthritis)
  • Spondylolisthesis(auch bekannt als verrutschter Wirbel)
  • Ischämie des Rückenmarks(Störung der Durchblutung des Rückenmarks)
  • Wirbelsäulentumoren, Abszesse oder Zysten
  • Neurodegenerative Erkrankungen wie Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) oder Parkinson-Krankheit
  • Wirbelsäulenstrahlung

Diagnose

Schmerzen sind der häufigste Grund, warum Menschen mit Myelopathie eine Behandlung suchen. Dazu können Nackenschmerzen sowie Nervenschmerzen in den Armen, Beinen und manchmal auch im Rumpf gehören. 

Wenn der Verdacht auf eine Myelopathie besteht, überprüft der Arzt zunächst Ihre Krankengeschichte und führt eine körperliche Untersuchung durch. Dazu gehört eine neurologische Untersuchung, bei der Ihre Reflexe, Ihre Motorik, Ihr Gleichgewicht, Ihr Geisteszustand und Ihre Reaktion auf Empfindungen wie Kälte oder leichte Berührung überprüft werden.

Die Diagnose einer Myelopathie umfasst bildgebende Untersuchungen und elektrodiagnostische Tests wie:

  • Röntgen der Wirbelsäule: Mit dieser reinen Bildgebungsuntersuchung können andere Rücken-, Nacken- und Wirbelsäulenprobleme ausgeschlossen werden.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Diese nicht radioaktive Bildgebungsstudie eignet sich besonders gut zur Identifizierung von Weichteilproblemen wie einem Bandscheibenvorfall oder einer Stenose der Wirbelsäule.
  • Myelographie: Bei dieser Form der Röntgenaufnahme wird ein Kontrastmittel injiziert, um das Rückenmark, die Nervenwurzeln usw. zu untersuchenHirnhaut(Auskleidung über dem Rückenmark).
  • Elektromyogramm (EMG): Dieser elektrodiagnostische Test misst die Muskelreaktion oder elektrische Aktivität als Reaktion auf die Stimulation des Muskels durch einen Nerv.
  • Somatosensorisch evoziertes Potenzial (SEPs): Dieser elektrodiagnostische Test misst die elektrische Aktivität des Gehirns als Reaktion auf Berührungen, beispielsweise durch einen Finger oder einen Luftstoß.

Behandlung

Die Behandlung einer Myelopathie variiert je nach der zugrunde liegenden Ursache. In manchen Fällen besteht das Ziel nicht darin, die Myelopathie umzukehren, sondern vielmehr darin, das Fortschreiten der Myelopathiesymptome zu kontrollieren oder zu verhindern. Dies gilt insbesondere bei altersbedingter Degeneration der Wirbelsäule oder Schäden durch neurodegenerative Erkrankungen oder eine traumatische Rückenmarksverletzung.

Nichtchirurgische Behandlung

Viele nicht-chirurgische Behandlungen können bei der Schmerzlinderung und Linderung der Symptome einer Myelopathie oft genauso wirksam sein wie eine Operation. Diese Maßnahmen können die Operation auch verzögern, bis sie unbedingt erforderlich ist.

Zu den Optionen gehören:

  • Schmerzmittel: Rezeptfreie Analgetika wie Tylenol (Paracetamol) und nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs) wie Advil (Ibuprofen) können bei der Behandlung leichterer Fälle gut sein. Verschreibungspflichtige NSAIDs und Muskelrelaxantien können eine stärkere Schmerzkontrolle bewirken, während Medikamente wie Neurontin (Gabapentin) helfen können, Nervenschmerzen zu lindern
  • Physiotherapie: Verschiedene Therapiemodalitäten können dabei helfen, die Rücken- und Nackenmuskulatur zu stärken, die Körperhaltung zu verbessern und Bewegungen anzupassen, die zu Schmerzen führen. Dazu gehören Übungen, praktische Therapien wie Massagen und Elektrostimulation zur Schmerzkontrolle. Eine Nacken- oder Rückenstütze kann während der Rehabilitation zur Stabilisierung der Wirbelsäule beitragen.
  • Steroidinjektionen: Epidurale Kortisoninjektionen können zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, wenn andere Behandlungen keine Linderung bringen. Die Injektion in den Bereich rund um das Rückenmark kann eine länger anhaltende Linderung bewirken und dazu beitragen, die Notwendigkeit einer Operation hinauszuzögern.

Operation

Bei mittelschwerer bis schwerer Myelopathie oder bei Fällen, in denen nicht-chirurgische Behandlungen nicht helfen, empfiehlt Ihr Arzt möglicherweise eine Operation, um die Kompression des Rückenmarks zu lindern.

Zu den Optionen gehören:

  • Wirbelsäulenversteifungsoperation: Hierbei werden zwei oder mehr Wirbel miteinander verschmolzen, sodass sie zu einem einzigen festen Knochen verheilen können. Dadurch können schmerzhafte Bewegungen reduziert und die Stabilität der Wirbelsäule wiederhergestellt werden.
  • Laminektomie: Hierbei handelt es sich um die Entfernung des knöchernen Bogens auf der Rückseite eines Wirbels, der sogenannten Lamina. Dadurch wird der Wirbelkanal erweitert, um den Druck auf das Rückenmark zu verringern. Eine Laminektomie wird normalerweise mit einer Wirbelsäulenversteifung durchgeführt.
  • Laminoplastik: Dabei wird die Lamina auf der einen Seite abrasiert und auf der anderen Seite abgeschnitten. Dadurch entsteht ein Scharnier, das die Kompression des Rückenmarks verringert. Dieses Verfahren kann dazu beitragen, bis zu 50 % der Bewegung der betroffenen Wirbelsäule zu erhalten.